Gedanken über Fotografie – Stefan Löber

„Magic bullet“ gesucht

Rodinal, D-76, Emofin, A49, Microphen, Caffenol, Pyrocat, ID-11, Diafine usw. usw.

Wer Schwarzweißfilm entwickeln möchte, steht zunächst einmal vor der Wahl des „richtigen“ Entwicklers. Die Möglichkeiten sind nahezu unbegrenzt. Neben zahlreichen kommerziellen Produkten, sind die einschlägigen Foren voll mit Erfahrungsberichten über selbstgebraute Rezepturen.  Die schillerndsten Vertreter sind sicher Caffenol (Instantkaffee mit Vitamin C und Soda) sowie dessen Derivate auf Basis von Tee (Teeol), Wein (Weinol), Harn (Urinol) und anderen Köstlichkeiten.

Während bei letztgenannten der Spaß und die Experimentierfreunde meist wichtiger als die Ergebnisse sind, befassen sich auch viele Hobbylaboranten mit Entwicklerrezepten, die v.a. hochwertige Negative liefern sollen. Wobei hier die Komplexität schon beginnt. Welchen Parameter möchte man optimieren? Kornstruktur, Empfindlichkeitsausnutzung, „Cremigkeit“ der Tonwerte, Preis pro Filmentwicklung oder, oder, oder…?

entwickler

Als Analogiker mit chemischen Hintergrund schreckt mich die Panscherei mit organischen Reduktionsmitteln, basischen Salzen, Anti-Schleier-Mitteln u.a. natürlich nicht ab. Und ein „crafted developer“ fügt dem Spaß des Selbstentwickelns noch eine Dimension hinzu.

Der Traum dabei ist natürlich, eine „magic bullet“ zu mixen. Also eine Brühe, die möglichst bei allen gängigen Film unter voller Ausnutzung der Empfindlichkeit schönste Tonwertabstufungen bei knackiger Schärfe und feinstem Korn liefert (und jahrzehntelang nicht abgammelt). Würde es diesen Zaubertrank geben, hätten die Forschungsabteilungen von Kodak, Ilford oder Tetenal ihn aber wahrscheinlich schon in den 60er Jahren entdeckt. Trotzdem darf der Hobbypanscher ja träumen…

Außerdem macht es einfach Spaß und ist zudem unheimlich spannend, die Ingredienzien selbst mischen (statt einfach einen Plastikbeutel aufzuschneiden und den Inhalt in Wasser zu lösen) und am Ende zu sehen, was da beim Öffnen der Entwicklerspule Tolles zum Vorschein kommt.

Ich selbst bin vor einigen Jahren auf das Rezept des leider viel zu früh verstorbenen Barry Thornton gestoßen. Er beschreibt auf seiner Webseite einen Zweibadentwickler auf Basis von D23 (der Favorit eines gewissen Ansel Adams). Eine sehr simple Mischung aus Metol (das Sulfatsalz von N-Methylaminophenol) und Natriumsulfit. Der Trick ist, dass ein zweites Bad in Metaboratlösung nachgeschoben wird, wobei die Lösung kein Reduktionsmittel mehr enthält. Wichtig: Beim zweiten Bad wird die Dose nicht bewegt. Es kann somit nur noch die in der Emulsion eingelagerte Entwicklersubstanz an Ort und Stelle verbraucht werden. Hierbei werden (ähnlich wie bei der so beliebten Standentwicklung) Lichter geschont und Schatten bekommen noch etwas mehr Zeichnung. Und das Beste daran: Die Methode ist extrem zeit- und temperaturtolerant. Ob 18 oder 21°C macht kaum Unterschied. Und mit 4,5 + 4,5 min liegt man meist schon ziemlich richtig. Mehr als eine halbe Minute rauf oder runter ist meist nicht nötig.

Obwohl ich immer wieder gerne auch andere Suppen ausprobiere, ist der Barry Thornton Two Bath (BTTB) Entwickler meine eierlegende Wollmilchsau. Egal welcher Film und welche Belichtung: Ganz daneben lag ich damit noch nie.

Für die Experimentierfreudigen hier das Rezept:

Bad 1:

6,25 g Metol

85 g Natriumsulfit (wasserfrei)

lösen in 1000 ml Wasser

Bad 2:

12 g Natriummetaborat

lösen in 1000 ml Wasser

Wichtig: Nach Bad 1 keine Zwischenwässerung! Bad 1 wird gekippt (3x pro min), Bad 2 ohne Bewegung.

Und zuletzt natürlich noch ein paar Beispielbilder:

15581376772_6aab0b049a_k

Tmax 400 (Kleinbild) entwickelt in BTTB

26997052200_fd9099fb55_k

APX100 (@ ASA160, Kleinbild) entwickelt in BTTB)

26973666402_270ff4ec2f_k

Rollei RPX400 (6×6) entwickelt in BTTB

Neopan 400 (Kleinbild) entickelt in BTTB

Neopan 400 (Kleinbild) entickelt in BTTB

Agfa APX100 (@ ASA 160) entwickelt in BTTB

Agfa APX100 (@ ASA 160, Kleinbild) entwickelt in BTTB

Nächster in Artikel

Vorheriger in Artikel

Antworten

© 2017 zonefocus

Thema von Anders Norén