Gedanken über Fotografie – Stefan Löber

Freistellen geht nicht mit mFT! Oder doch?

Die Sensorgröße ist eines der meistdiskutierten Themen in Fotoforen. Und eines, dass die Knipsfreunde regelmäßig den Boden der sachlichen Diskussion verlassen lässt und zu nicht selten zu polischen Kleinkriegen führt.

Eines der Hauptargumente der Großsensor-Fetischisten gegen das microFourThirds-System ist die fehlende Freistellmöglichkeit. Aber stimmt es, das man mit mFT-Kameras darauf verzichten muss, Bilder mit cremiger „out-of-focus area“ zu produzieren. Schauen wir uns ein paar Beispiele an.

Wie wir alle wissen, hängt die Schärfentiefe zum einen von der verwendeten Blende, zum anderen vom Abbildungsmaßstab ab. In letzteren fließen die Brennweite, der Aufnahmeabstand und die Sensorgröße ein. Damit gibt es insgesamt vier Parameter, die die Schärfentiefe und damit die mögliche Objektfreistellung beeinflussen. Und ja, die Sensorgröße ist einer davon.

Somit ist das mFT-System grundsätzlich im Nachteil, wenn es um maximale Freistellung geht. Im Vergleich zu APS-C Sensoren ist der Unterschied aber nicht wahnsinnig groß, bei den Kleinbildsensoren dagegen schon signifikant.

Was bedeutet das in der Praxis? Es ist definitiv sehr schwer, ein stark freigestelltes Ganzkörper-Portrait mit mFT-Kameras zu produzieren. Denn entweder man wählt hierzu eine relativ kurze Breenweite oder einen ziemlich großen Aufnahmeabstand. Sprich: Beim mFT-Sensor ist der Abbildungsmaßstab recht klein. Da hilft dann auch ein lichtstarkes Objektiv mit voll geöffneter Blende nur noch bedingt.

Will man allerdings Objekte fotografieren, die deutlich kleiner als 2m sind, sieht das Ganze schon anders aus. Hier ein Beispiel:

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OM-D E-M1 mit Zuiko 1.8/45mm bei f1.8

Für solche Fotos ist das 45er von Olympus ideal. Wie viele mFT-Objektive ist es hinsichtlich Schärfe, Kontrast und Flare-Anfälligkeit voll offenblendentauglich. Wir bekommen so ein wunderbares Bokeh. Ohne Tricks, ohne Photoshop-Zauberei.

Den meisten Knipsfreunden ist die Freistellung für die Portraitfotografie wichtig. Wie schneidet das mFT-System hier ab? Für meinen persönlichen Geschmack reicht das Freistellungspotential bei Kopf. bzw. Brustportraits vollkommen aus. Wieder ein Beispiel mit der Zuiko 1.8/45mm:

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OM-D E-M1 mit Zuiko 1.8/45mm bei f1.8

Wer noch mehr Bokeh möchte, kann zum ebenfalls exzellenten Zuiko 1.8/75mm. Hier muss man schon tiefer in die Tasche greifen (neu ca. € 800,-, gebraucht ca. € 600,-), die Linse ist ihr Geld aber absolut wert.

Mein Fazit: Für mich reicht das Freistellungspotenzial des mFT-Sensors aus. Und wenn ich mehr will, ziehe ich mit meiner analogen mittelformatkamera los….

Zum Abschluss noch drei  Beispiele:

P8281050insta

OM-D E-M1 mit Panasonic 1.7/25mm bei f1.7

P8281056insta

OM-D E-M1 mit Panasonic 1.7/25mm bei f2.2

OLYMPUS DIGITAL CAMERA

OM-D E-M1 mit Panasonic 1.7/25mm bei f1.8

 

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2 Kommentare

  1. Joachim 9. Mai 2017

    Feine Seite hast du hier. Gefällt mir sehr gut.

    • StefanL. 10. Mai 2017 — Autor der Seiten

      Danke Dir, Joachim. Freut mich, dass dir die Seite gefällt!

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