Gedanken über Fotografie – Stefan Löber

Altglas-Battle: Welches 50er für die A7ii?

Gear-Talk ist bekanntlich eine der liebsten Beschäftigungen von Fotofreunden, besonders von solchen, die mit ihrer Ausrüstung gar kein Geld verdienen (müssen), sondern diese nur aus reiner Liebhaberei (vulgo: Nerd-tum) besitzen und gelegentlich auch in die freie Wildbahn ausführen. Besonders gerne wird dabei über die Vor- und Nachteile der auf dem Markt befindlichen Kamerasysteme diskutiert. Ausgesprochen emotional setzt man sich  hierbei mit dem Thema „Fuji vs. Sony“ auseinander. Ein Schlachtfeld, das sicher in einem gesonderten Blogbeitrag umfassend beleuchtet werden sollte.

Ich persönlich bemühe mich stets um einen objektiven Blick auf die Systeme und versuche nicht der weit verbreiteten „My system right or wrong“-Loyaliät zu verfallen. Jüngst habe ich mich (mal wieder) in das Sony VF-Lager eingekauft und auf dem Gebrauchtmarkt eine A7ii erstanden. Ein Alleinstellungsmerkmal der A7er-Reihe war dabei die ausschlaggebende Motivation: die Möglichkeit, „Altglas“ zu adaptieren, ohne den Bildwinkel der Objektive zu beschneiden.

Bei der Durchsicht meines Fotoschrankes fielen mir dann auch gleich drei wunderbare 50mm-Linsen unterschiedlicher Marken in die Hände, die normalerweise an analogen Gehäusen zum Einsatz kommen. Eine wunderbare Gelegenheit, diese in einem kleinen Wettbewerb gegeneinander antreten zu lassen. Schließlich wollte ich ja wissen, welches 50er zukünftig bevorzugt auf meiner A7ii ausgeführt werden sollte.

Schauen wir uns die Kandidaten zunächst mal an:

v.l.n.r: Canon nFD 1.4/50mm, Konica AR 1.7/50mm, Olympus Zuiko Auto-S 1.4/50mm

  1. Canon nFD 1.4/50mm: Das „n“ in der Bezeichnung wird bei dieser Linse häufig weggelassen. Es steht für „new“ und bezieht sich auf das 1979 in seiner Handhabung leicht modifizierte FD-Bajonett. Weitere Details erspare ich dem Leser, möchte aber nur darauf hinweisen, dass es auch ein Canon FD 1.4/50mm mit dem Zusatz S.S.C. gibt. Dies ist die ältere, nach allgemeiner Ansicht der nFD-Version etwas unterlegene Variante. Wenn man in Foren stöbert, stellt sich schnell heraus, dass das 50er nFD (unter den günstigen Optionen) der meistgenannte Tipp ist, wenn nach dem „besten 50er Altglas“ gefragt wird. Ich habe für das Objektiv € 60,- bezahlt. In dem Starterfeld dürfte es wohl als Favorit gelten.
  2. Konica AR 1.7/50mm: Vom Favoriten kommen wir zum Außenseiter, manche würde auch sagen: Geheimtipp. Die Konica AR Linsen werden im Vergleich zu Canon-, Nikon-, Minolta-, Olympus-, Zeiss- und Contax-Altglas zu Unrecht relativ wenig beachtet. Sie bieten aber oft ausgezeichnete Leistung und sind (mit einigen Ausnahmen) sehr günstig zu erstehen. Die Konica-Linse ist 2/3-Blenden lichtschwächer als die Mitkonkurrenten. Es gibt zwei Ausführungsvarianten, die hier getestete ist das ältere Modell mit EE- statt AE-Markierung und der kürzeren Naheinstellgranze von 45mm (vs. 55cm). Ich habe das Objektiv zusammen mit einer Konica Autoflex T3 (der Panzer!) für sage und schreibe € 40,- erworben.
  3. Olympus Zuiko Auto-S 1.4/50mm: Dieses 50er wird in Foren ebenfalls sehr häufig empfohlen. Generell haben die OM-Linsen einen ausgezeichneten Ruf. Beim 1.4er ist allerdings bekannt, dass Exemplare mit Seriennummern unter 1.000.000 signifikant weicher abbilden als späterer Modelle. Meine Linse hat die Seriennummer 575.201. Sie wird von mir schon seit Ewigkeiten an meiner OM2 betrieben. Tausende Negative wurden mit diesem Objektiv belichtet. Allerdings selten bei Offenblende, sondern meist bei f2-f4. Auf die Performance in der digitalen Welt war ich wirklich gespannt.

Alle drei Objektive haben eine sehr ansprechende Haptik und Verarbeitung. Metall, Glas und gummierter Fokusring. Nichts zu meckern. Bezüglich des optischen Aufbaus handelt es sich in allen Fällen zum typische Normalobjektive mit modifiziertem Planar-Design.

Der Planar-Typ wurde vor 120 Jahren bei Zeiss entwickelt und zeichnet sich durch einen streng symmetrischen Aufbau der Linsen um die Blendenebene herum aus. Durch spätere Modifizierungen wich man leicht von der strengen Symmetrie ab, aus ursprünglich sechs Linsen wurden später häufig sieben. Die allermeisten Normalobjektive sind so konstruiert. Beim Blick auf das Design unserer drei Kandidaten fällt auf, dass sich das Zuiko und das Canon extrem ähneln (7-Linser), das Konica weicht als 6-Linser etwas ab.

Aber grau ist alle Theorie. Die Wahrheit liegt natürlich im Bildergebnis. Zum Vergleichstest wollte ich kein Buchregal oder eine Ziegelwand fotografieren, da dies nicht meinen Anwendungen im wirklichen Leben entspricht. Ich fotografiere meist mit relativ offener Blende, möchte ausreichend Schärfe in der erweiterten Bildmitte und angenehmes Bokeh. Durch die Peaking-Technik moderner Systemkameras lassen sich hochlichtstarke Objektive ja tatsächlich auch gut bei f1.4 fokussieren. Daher wollte ich natürlich die Offenblendentauglichkeit testen. Meine Konica T3 diente als Model und ich fotografierte mit allen Testkandidaten jeweils bei f1.4 (bzw. f1.7) und f2. Fokussiert wurde dabei auf den Konica-Schriftzug.

Zuiko Auto-S bei f1.4

Canon FD bei f1.4

Alle Bilder wurden mit den exakt gleichen Einstellungen in LR5 entwickelt und dabei nur moderat geschärft. In der Vollansicht wirken die Bilder sehr ähnlich. Sehen wir uns den Crop aus der Bildmitte an, sieht die Sache schon anders aus.

Hier zeigt sich, dass das Canon eindeutig am schärfsten und konstrastreichsten ist. Das Zuiko fällt dagegen deutlich ab. Trotz f1.7 statt 1.4 kommt auch das Konica nicht an das Canon-Objektiv heran. Blendet man alle Objektive auf f2 ab, werden die Unterschiede kleiner, sind aber nach wie vor zu sehen.

Schärfe ist aber bekanntlich nicht alles. schauen wir uns daher die Unschärfebereiche der bei f2 fotografierten Aufnahmen etwas genauer an.

Kann hier jemand signifikante Unterschiede ausmachen? Ja, vielleicht ist das Bokeh beim Zuiko noch einen Tick cremiger und weicher. Fast als wäre es noch eine halbe Blende „offener“ fotografiert worden. Dies ist aber wahrscheinlich nur im direkten Vergleich auszumachen.

Aus dem bisher gesehenen würde ich das Canon FD recht eindeutig zum Sieger küren. Meine Praxiserfahrungen mit den drei Linsen haben immer wieder bestätigt, dass es den anderen beiden bei f1.4 und f2 sichtbar überlegen ist. Spätestens ab f2.8 sind die Abbildungsleistungen aber so ähnlich, dass ich definitiv keinen Blindtest bestehen würde.

Ich werde also das Canon an meiner A7ii betreiben, das Zuiko wie schon seit 20 Jahren auf der OM2 belassen und das Konica mit meiner T3 ausführen.

Zum Ende noch einige Bilder, die mit den drei Objektiven (und der A7ii oder der A7) aufgenommen wurden. Bewusst habe ich auf die Zuordnung verzichtet. Als Hinweis nur so viel: Jede Linse ist mit gleich vielen Bildern vertreten….

 

 

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